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Tätowierung und Allergie

Die Tätowierung erlebt heutzutage ihre Renaissance. Es gibt kaum einen unter den jungen Erwachsenen, welcher noch keine tätowierte Figur oder Symbole an seinem Körper trägt. Man kann fast sagen, dass heutzutage Tätowierung so modisch ist, dass der, wer keine hat, schon fast deswegen gehänselt wird. Mit der Verbreitung der Tätowierungen hört man auch immer öfter über deren unangenehmen Nebenwirkungen. Es ist nicht sehr angenehm, wenn jemand sich eine Tätowierung stechen lässt um hübscher auszusehen aber genau das Gegenteil eintrifft. Statt eines ästhetisch hübschen Bildes am Körper zu haben, tritt eine hässliche, nicht selten Ekel erregende, abscheuliche Hautentzündung auf, welche von einer allergischen Reaktion verursacht wird.

Die Geschichte der Tätowierung ist fast so alt, wie die Menschheit selbst. Die ersten Nachweise für übliche Tätowierungen stammen aus der altägyptischen Kultur, aus der Zeit ca. 2000 Jahre vor den ersten Pyramidenbauten. Ähnlich wie die Ägypter, tätowierten auch die Inkas, die Azteken, und die Mayas. Am meisten populär machte jedoch die polynesische Bevölkerung die Tätowierung.

In den alten Kulturen zeigte die Tätowierung den Stand innerhalb eines Stammes an. Im römischen Kulturkreis wurden die Sklaven und die Kriminelle mit einer Tätowierung gebrandmarkt. Das Wiederaufleben der Tätowierung in der europäischen Kultur brachte die Entdeckung der Neuen Welt mit sich.

Im Tätowierungsprozess wird die Farbe mit einer Nadel in die untere Hautschicht (Dermis) eingestochen. Die Tätowierung bleibt ein Leben lang auf der Haut, obwohl manche Farben mit der Zeit verblassen. In erster Linie werden mit der Tätowierung verschiedene Motive gestochen, aber sie wird auch in der Kosmetikbranche als Permanent Make-up verwendet.

Tätowierungsfarben

Die meisten Farben enthalten irgendein Metall, welches die potenziellen Nebenwirkungen bereits vermuten lässt. Andere Farben enthalten zwar keine Schwermetallverbindungen, trotzdem können sie allergische Reaktionen verursachen.

Rote Farbe: diese Farbe verursacht die meisten Probleme unter den Tätowierungsfarben. Die Grundfarbe besteht aus Quecksilber, beziehungsweise sein Sulfid, welche auch als Zinnober bekannt ist. Die Hautveränderung ist in der Regel ein akutes oder chronisches Ekzem. Die Krankheit entwickelt sich häufig erst Jahre nach dem Stechen der Tätowierung. Es wird vermutet, dass die allergischen Reaktionen wegen der Kreuzallergien auftreten, mit Stoffen wie Thiomersal (dies ist ein häufig benutzter Konservierungsstoff zum Beispiel bei Impfungen) oder Mercurochrom (Merbromin). Bei einer bereits bekannten Thiomersal-Allergie kann man statt der roten Farbe, welche Quecksilber enthält, Farbstoffe mit Karmin, Sandelholz oder Brasilholz (Caesalpinia echinata) verwenden.

Das Kadmiumrot wird auch deshalb nicht empfohlen, weil dieser Farbstoff auch Allergene (Metalle) enthält und dieser kommt häufig in Farben vor, welche eine starke Lichtempfindlichkeit verursachen können (die Haut, welche dem Licht ausgesetzt wird, schwillt an, rötet sich und löst Verbrennungen ersten oder zweiten Grades aus).

Schwarze Farbe: stammt am häufigsten aus Kohle. Kohle verursacht nur sehr selten eine Irritation. Andere Stoffe, aus welchen noch schwarze Farben hergestellt werden, sind schwarze Tinte oder Brasilholz. Diese sind keine Metallderivate, obwohl die schwarze Tinte winzige Holzkohleteile enthält, welche auch eine Entzündung hervorrufen können.

Gelbe Farbe: ist in der Regel Kadmiumderivat und dieses verursacht häufig eine Hautreaktion nach der Tätowierung. Das Kadmium kann nicht nur eine örtliche und eine sich auf den ganzen Körper ausbreitende Ekzem-Reaktion hervorrufen. Als Kadmium-Sulfid kann es auch noch schwere Lichtempfindlichkeit an den dem Licht ausgesetzten Orten verursachen.

Blaue Farbe: wird aus verschiedenen Kobaltverbindungen hergestellt. Diese kann auch örtliche allergische Reaktionen hervorrufen, aber es wurden auch schon vom Kobalt hervorgerufene Uveitis (eine schwere Entzündung der mittleren Augenhaut) beobachtet. Die hellblauen Farben enthalten ebenfalls Kobalt.

Grüne Farben: diese erhalten Chrom und verursachen häufig sowohl örtliche als auch sich über den ganzen Körper erstreckende ekzematöse Hautreaktionen. Es ist möglich, dass es erst Jahre nach der Tätowierung zu einer Entzündung kommt und das Tattoo trotzdem rasch entfernt werden muss. Die häufigste Chromverbindung ist das Chromoxid, aber grüne Farbe wird auch aus Kupferverbindungen hergestellt.

Die Farbe Purpur wird aus Mangan hergestellt und kann örtliche allergische Reaktionen verursachen.

Braune Farbe: enthält Eisenoxid oder Kadmiumsalz. Letzteres kann eine schwere Lichtempfindlichkeit verursachen.

Weiße Farbe: wird aus Titan oder Zinkoxid hergestellt. Diese können ebenfalls gefährliche Metalle enthalten.

In der letzten Zeit erscheinen immer neue Farben auf dem Markt wie z. B. Pink, Türkis oder Korallenrot. Diese können aus der Hinsicht der Allergien ebenfalls gefährlich sein, je nach dem, aus welchen Farben sie gemischt werden.

Temporäre Henna-Tattoos

Henna wird seit Jahrzehnten für die Körperbemalung verwendet. Vor allem benutzte man sie in der hinduistischen und der islamischen Kultur. Die Henna wird aus den Blättern und Blüten der Pflanze Lawsonia inermis (Hennastrauch) gewonnen. Der Hennafarbstoff Lawson selbst kann in manchen Fällen Kontaktallergien verursachen. Dem Hennapulver wird häufig die Substanz Para-Phenylendiamin (PPD) beigemischt, damit die Farbe schneller in die Haut eindringen kann. PDD kann auch allergische Reaktionen auslösen.

Welche Symptome kann die Allergie auf Tätowierungen auslösen?

Die allergische Reaktion gegen die Tätowierungsfarben tritt in den meisten Fällen an dem Ort des Tattoos oder in deren unmittelbarer Nähe auf. Die Haut rötet sich, sie juckt, entzündet sich. Es bilden sich manchmal Blasen auf ihr. In seltenen Fällen können sich auch an Hautpartien, welche sich von der Tätowierung etwas weiter entfernt sind, die Symptome auftreten, manchmal sogar am ganzen Körper.

Die Symptome werden nicht immer unmittelbar nach dem Stechen der Tätowierung ausgelöst. Manchmal treten sie erst Jahre danach auf. Das heißt, man kann die Allergie nicht ausschließen auch wenn die allergischen Reaktionen erst Jahre später ausbrechen.

Wann sollte man einen Allergologen aufsuchen?

Ein Allergietest ist auf jeden Fall zu empfehlen, wenn nach der Tätowierung - auch wenn diese bereits Jahre zurückliegt - auf dem Körper (örtlich oder im ganzen Körper) eine Hautreaktion auftritt.

Auch wenn ein Verdacht auf eine Metallallergie nach der Tätowierung aufkommt, sollte man auch einen Allergietest machen lassen. Zwischen den Metallen ist eine Kreuzallergie sehr häufig. Deswegen sollte man sich bei einer Überempfindlichkeit auf irgendein Metall auch die anderen testen lassen.

Wie wird der Allergietest durchgeführt?

Bei dem Verdacht auf eine Allergie nach der Tätowierung kann die Krankheit mit einem so genannten Epikutantest nachgewiesen werden. Bei diesem Test werden verschiedene Allergene auf die Haut am Rücken geklebt. Nach 24, 48 und 72 Stunden werden die Hautreaktionen überprüft und ausgewertet. Der Test wird von einem Allergologen durchgeführt.

Behandlung der Metallallergie

Die einzige und gleich wirksamste Behandlungsmethode der Metallallergie ist die konsequente Vermeidungstherapie. Die Metallallergie begleitet den Patienten ein Leben lang. Zurzeit gibt es leider keine Methoden um eine Metallallergie endgültig zu heilen. Die Vermeidung des Metalls bringt manchmal jedoch auch einen Verzicht auf Schmuckstücke, sowie einen Austausch der Zahnfüllungen und Implantate mit sich.

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