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Allergie gegen Zimmerpflanzen - aus nicht beruflichen Ursachen

Es ist weltweit sehr verbreitet Zimmerpflanzen zur Dekoration sowohl in privaten Wohnräumen als auch in öffentlichen Gebäuden zu halten. Manche dieser Pflanzen können Allergien verursachen: es treten schnelle und oft heftige Reaktionen vom Soforttyp auf. Sie können aber auch Asthma oder Allergische Rhinitis hervorrufen. Diese Allergene gelangen in der Regel durch Einatmen in den Körper. Der Mensch atmet die von pflanzlichen Säften verschmutzte Luft ein. Die trockene Luft in Gebäuden oder das Entstauben der Pflanzen erhöht die Chance der Exposition.

Untersuchungsgegenstand und Untersuchungsmethoden

Es wurden 295 Allergiepatienten für eine Untersuchung ausgesucht, welche bereits an Luftwege- oder Hautsymptomen behandelt wurden. Von ihnen waren 205 (69 %) atopische Patienten und 90 (31%) nicht-atopische Patienten. Die atopischen Patienten litten unter allergischer Rhinokonjunktivitis, an Asthma bronchiale oder atopische Dermatitis und ihr Hauttest zeigte mindestens ein positives Ergebnis gegen ein häufiges inhalatives Allergen. Am Anfang der Untersuchung mussten alle Patienten einen Fragenbogen ausfüllen. Im Fragebogen waren 12 Zimmerpflanzen fotografisch abgebildet. Die Versuchspersonen mussten angeben, welche von den 12 abgebildeten Zimmerpflanzen sich in deren Wohnung befindet. 34 Patienten hatten mindestens gegen eine der Zimmerpflanzen einen positiven Hauttest. Ein paar Jahre später erhielten diese Patienten einen anderen Fragebogen über ihre Symptome. Den Fragebogen füllten nun 23 Patienten aus.

Folgende Zimmerpflanzen wurden untersucht:

Asplenium nidus (Streifenfarngewächse)
Chamaedorea elegans (Bergpalme)
Crassula arborescens (Dickblatt)
Dieffenbachia picta (Dieffenbachie)
Dracaena fragrans (Drachenbaum)
Ficus benjamina (Birkenfeige)
Ficus lyrata (Geigenfeige, Leierblättriger Gummibaum)
Hibiscus rosa sinensis (Chinarose, Eibisch)
Nephrolepis exaltata (Schwertfarn)
Saintpaulia ionantha (Usambaraveilchen)
Soleirolia soleirolii (Bubiköpfchen)
Yucca aloifolia (Spanisches Bajonett)

In dem Hauttest gegen die häufigsten inhalativen Allergene wurden verschiedene Umweltstoffe untersucht: Pollen von Birke, Erle, zwei verschiedenen Gräsern, Beifuss, sowie Cladosporium herbarum (eine Schimmelpilzart), Katzen- und Hundehaare, Hausstaubmilben und Latex. Die Positivkontrolle war Histamin, die Negativkontrolle war Kochsalz ohne Allergene.

Der Hauttest auf die oben genannten Zimmerpflanzen wurde mit dem Prick-Prick-Test durchgeführt. Ein frisches Blatt der Zimmerpflanze wurde mit einer feinen Lanzette eingestochen und anschließend mit derselben Lanzette auch die Haut der Patienten eingestochen. Die Versuchspersonen wurden anschließend in zwei Gruppen eingeteilt:

Diejenigen, die mindestens gegen eine Pflanze einen positiven Test aufwiesen, wurden in die Gruppe N+ eingeteilt und diejenigen, welche keine positiven Testergebnisse hatten, wurden der Gruppe N- zugeteilt. Es meldeten sich 34 Patienten aus der Gruppe N+ und 6 Patienten aus der Gruppe N- für die spezifische IgE-Bestimmung gegen die 12 Zimmerpflanzen. Der technische Teil des Tests wurde nach der von Makinen-Kiljunen beschriebenen Methode durchgeführt (modifizierte Immunospot Assay). Die statistische Auswertung folgte nach dem Fisher-Test.

Ergebnisse

Nach dem Ergebnis des ersten Hauttests kamen 39 % der 205 atopischen Patienten und 2 % der nicht atopischen Patienten in die Gruppe N+.

74 % der 80 atopischen N+ Patienten waren positiv getestet auf eine der beiden oder auf nur einen der Pflanzen Ficus benjamina und Ficus lyrata; 36 % auf Hibiscus rosa sinensis und 35 % auf die Yucca aloifolia.

32 % der 59 Patienten, welche auf die Ficus-Pflanzen positiv getestet wurden, hatten diese Pflanze zu Hause.

30 % der Patienten, welche auf Hibiscus rosa sinensis positiv getestet wurden, hatten diese Pflanze zu Hause.

35 % der Patienten, welche auf Yucca aloifolia positiv getestet wurden, hatten diese Pflanze zu Hause.

In der Gruppe atopische Patienten N+ waren zehn Kinder unter 10 Jahren. 70 % von ihnen war auf Ficus benjaminara, 50% auf Ficus lyratara allergisch. 70 % der Kinder hatte diese Pflanzen in der Wohnung. Es gab keine signifikanten Unterschiede der Allergie gegen Ficus benjamina zwischen Erwachsenen (im Alter von 17 bis 71 Jahren) und den Kindern (im Alter von 2 bis 16 Jahren).

In der Gruppe N+ kam eine Allergie gegen andere, häufige inhalative Allergene mit größerer Wahrscheinlichkeit vor als in der Gruppe N-. Eine Ausnahme ist die Hausstaubmilbenallergie, welche in beiden Gruppen gleich häufig vorkam. Eine gemeinsame Überempfindlichkeit gegen die Pflanzen Ficus und Latex kam auch häufig vor.

Jedes Kind aus der Gruppe N+ und 79 % der Kinder aus der Gruppe N- hatte einen positiven Hauttest gegen mindestens eine Gemüsesorte. 62 % der Gruppe N+ hatte ein positives spezifisches IgE: davon waren spezifisch 44 % gegen Ficus, 35 % Dieffenbachia picta, 32 % gegen Hibiscus rosa sinensis und Chamaedorea elegans.

Von den 23 Patienten, welche den Fragebogen ausfüllten, hatten zehn einen positiven Hauttest gegen Ficus benjamina und von denen hatten 4 Patienten (also 40 %) klinische Symptome auf die untersuchte Zimmerpflanze. Außer ihnen erwähnten 8 Patienten klinische Symptome gegen Ficus benjamina. Von denen hatten fünf einen positiven Hauttest gegen diese Zimmerpflanze. 33 % der Patienten mit einem positiven Hauttest gegen Dieffenbachia picta berichteten über klinische Symptome.

Diskussion

Die vorliegende Untersuchung beschäftigt sich mit der Exposition der Zimmerpflanzen in Wohnungen. Sie ordnet die Allergiker gegen die oben erwähnten Zimmerpflanzen in Gruppen je nach atopischer Position, Alter und sucht nach einem Zusammenhang zwischen einem positiven Hauttest, Exposition und Symptomen. Die höhere Allergisierung gegen die Ficus benjamina wird einerseits damit erklärt, dass diese Zimmerpflanze sehr beliebt ist, andererseits können ein langer Winter und die absolute Luftfeuchtigkeit zu dem Anhäufen der Antigene auf den Blättern der Pflanze führen.

Anmerkung

Es ist nicht überraschend, dass nach der Lehre dieses Artikels eine Überempfindlichkeit gegen oben genannten Zimmerpflanzen, welche nicht auf beruflichen Ursachen zurückzuführen ist, vor allem bei atopischen Patienten vorkam. Die klinische Relevanz der spezifischen IgE Positivitäten ist jedoch 50 % und 40 %, also ziemlich niedrig. Auf jeden Fall sollte bei der Anamnese der atopischen Patienten nach dem Vorhandensein der Zimmerpflanzen in der Wohnung nachgefragt werden und in den verdächtigen Fällen sollte ein einfacher Prick-Prick-Test gemacht werden. Atopische Patienten sollten diese Zimmerpflanzen, vor allem Ficus, Hibiscus, Dieffenbachia (kann Hautirritationen verursachen) und Yucca meiden. Bereits krabbelnde Kleinkinder sollte man von diesen Pflanzen möglichst fern halten.

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